#1805 Flaschenpost Pils

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass demnächst ein untergäriges Bier den Weg ins Repertoire der Brauerei Third Barrel Brewing finden soll. Deshalb habe ich ein Rezept gebastelt, das eventuell in der Lage ist dies zu erfüllen. Es geht hier um ein schönes hopfiges norddeutsches Pils, wie man es leider selbst in Norddeutschland nicht mehr so leicht findet – viele klassischen Vertreter dieser Stilrichtung haben ihren Rezepte leider große Mengen Hopfen entzogen wie man am Beispiel von Becks mit 21 IBU sehen kann.

Dieser Sud nun bekommt eine ordentliche Portion klassischer deutscher Hopfensorten die in ihrer Gesamtzusammenstellung klassisch grasig-würzig-hopfige Aromen mit einem leicht blumigen Eindruck einbringen sollen. Das Maischeprogramm ist an die Bedingungen in der Brauerei (Infusionsmaische) angepasst und sähe zuhause auf meinem Grainfather etwas anders aus. Einigen Berichten anderer Hobbybrauer zufolge eignet sich die gewählte S-189 Hefe besser für diese Stilrichtung als die W34/70, die Malzigkeit leicht betont.

Rezept
Stammwürze: 11,9°P
Bitterkeit: 40 IBU
CO2-Gehalt: 5,5g/L

100% Pilsner Malz

Kombirast 66°C für 60min
Abmaischen 75°C für 10min

Hopfenkochen 90min
Herkules 40% 90min
Hallertauer Tradition 15% 30min
Hallertauer Perle 15% 30min
Hallertauer Tradition 10% 5min
Hallertauer Perle 10% 5min
Tettnanger 10% 5min

Whirlpool 30min bei 80°C
1,6g/L Hallertauer Tradition
1,6g/L Hallertauer Perle
1,6g/L Tettnanger
0,5g/L Herkules

Wasserprofil:
Calcium (Ca): 28,4ppm | Magnesium (Mg): 2,2ppm | Sodium (Na): 0,0ppm | Sulfate (SO4): 27,6 | Chloride (Cl): 12,4ppm | Bicarbonate (HCO3): 29,3
-> mit Milchsäure auf Maische-PH 5,3 eingestellt.

Brautag
Zum Maischen wurde die Einmaischtemperatur etwas höher als die Rastzieltemperatur gesetzt. Nach dem Einmaischen war dann aber die gewünschte Temperatur recht genau erreicht, über die Maischedauer sank die Temperatur auf schlussdenliche 64°C. Das bereits geschrotet gelieferte Malz erwies sich leider als viel zu fein, es waren nur noch sehr wenige Spelzen intakt und der enorme Mehlanteil erleichterte die Läuterarbeit auch nicht gerade. Aufgrunddessen dauert das Läutern beinahe drei Stunden(!) und verschob so den Plan für den Tag. Danach lief aber alles wie geplant. Die Hefe wurde zuvor in einem Starter vermehrt und vor der Zugabe zum Sud kurz kaltgestellt und die überflüssigen Teile dekantiert. Vermutlich aufgrund der langen Läuterdauer war die Sudhausausbeute erheblich höher als geplant, was schlussendlich zu einer Stammwürze von 13,3°P führte.

Gärung und Lagerung
Während der Hochkräusen wurden entsprechende Mengen abgekochtes und nachgehopftes Wasser zugegeben um auf die gewünschte Stammwürze zu verdünnen ohne an Bitterkeit zu verlieren. Die Hefe wurde bei 13°C zugegeben. Aufgrund der niedrigen Umgebungstemperatur sank die Gärtemperatur im Laufe der folgenden vier Tage auf 9°C. Am fünften Tag, als etwa die Hälfte der Gärung durch war, wurde die Temperatur auf 20°C erhöht und für eine Woche gehalten. Bemerkenswert ist der krasse Schwefelgeruch, der während der kalten Gärung von diesem Sud ausgeht. Die Erhöhung der Gärtemperatur ab der Hälfte hilft hoffentlich dabei, dass die Hefe neben Diacetyl auch Schwefel schnell abbaut. (Hier noch ein Link zur Gärführung).
Anschließend wird das Bier mit Zuckerlösung in Kegs abgefüllt und dort für ein bis zwei Wochen bei ~22°C in die Nachgärung geschickt um das gewünschte Karbonisierungslevel zu erreichen.

Verköstigung
Folgt noch…