Ein Jahr Grainfather – Zwischenfazit

Nach einem Jahr und zehn Suden mit dem Grainfather möchte ich in diesem Beitrag meine Erfahrung mit dem Gerät darlegen und auch gleichzeitig ein paar Tips für den Umgang mit dem guten Stück geben.

Allgemein
Endlich nicht mehr selbst rühren, das war einer der Hauptgründe, dass ich mich für den Grainfather entschieden habe. Die Pumpe, die da an meiner Stelle arbeitet, habe ich glücklicherweise in der ganzen Zeit auch noch nie verstopft, ein Problem das ich bei meinem Praktikum bei der Hausbrauerei Mollenhauer bei einem damaligen Modell von Speidels 50L Braumeister miterleben konnte. Das Konzept mit dem Malzkorb ist sicher im Grunde vom Braumeister abgekupfert, funktioniert aber dennoch tadellos (hier wird das Wasser andersherum durch das Malz bewegt). Im Endeffekt führt das auch zu einem Gerät, das sich platzsparend lagern lässt, und keine weiteren Gefäße zum Läutern erfordert.

Ein Hauptvorteil dieser Konstruktion: Einfaches Handling. Ein kleiner Nachteil: Man kommt nicht ohne weiteres an die Vorderwürze um ihren Gehalt zu messen. Viele läutern bis aus dem Malz ein bestimmter Extrakt herausgespült wird – das ist in diesem Fall schwierig, da man den Korb anheben müsste um an die Vorderwürze darunter zu kommen, und so ein Korb mit nassem Malz wiegt in der Regel zuviel um ihn mit einer Hand anzuheben und darunter eine Messung vorzunehmen. Dementsprechend lasse ich die Messung der Vorderwürze weg und gebe Nachgüsse wie im Vorfeld kalkuliert. Wenn ich den Eindruck habe, der Grainfather wird davon an den Rand seiner Kapazität gebracht, stelle ich den Malzkorb in einen lebensmittelechten Eimer, wo der Rest der Vorderwürze austreten kann. Wenn einiges verdampft ist, schütte ich dann den Rest in den Grainfather (spätestens jedoch 30min vor Kochende). Meine Sudhausausbeute lag bisher zwischen schlechtesten 52,2% und besten 86,5% und zeigt damit was so alles möglich ist. Nach 10 Suden kalkuliere ich meine Rezepte mit 64% Sudhausausbeute und liege damit in der Regel sehr nah an der Realität. Wenn man die Software Kleiner Brauhelfer verwendet, errechnet sie einem auch die durchschnittliche Sudhausausbeute aus den vergangenen Suden. Es gibt auch noch ein paar Tips, wie man die verbessern kann, dazu aber später mehr.

Wenn man dann abgeläutert hat heizt das Gerät relativ schnell auf Kochtemperatur auf. Und das kann es erheblich besser als der Einkocher, mit dem ich zuvor gebraut habe. In anderen Berichten habe ich davon gelesen, dass bei besonders hoch eingebrautem Bier die Gefahr des Anbrennens besteht, infolge dessen sich der Grainfather abschaltet (und der Reset-Knopf befindet sich auf der Unterseite des Gerätes, kann also nur nach Leerung betätigt werden). Um dies zu verhindern gibt es einen Tip, der auch auf dem offiziellen Youtube Channel der Firma beworben wird und den ihr auch etwas weiter unten finden könnt. Ist die Würze dann im Bereich der Kochtemperatur steigt recht schnell viel Schaum auf, den man nach offizieller Angabe unterrühren soll. Das empfinde ich bisher als etwas stressig, da ich immer den Eindruck habe, mir würde der Schaum bald über den Rand treten, bisher habe ich ihn aber noch immer untergerührt bekommen, auch bei einer Füllmenge von beinahe 32L bei Kochbeginn. Wie man damit stressfreier umgehen kann, schreibe ich auch noch unten bei den Tips.

Ich bin begeistert vom Kühlkonzept des Grainfather. Zuvor habe ich eine Kühlspirale verwendet, die an den Wasserhahn angeschlossen und dann in die heiße Würze gestellt und gelegentlich geschwenkt wird. Grundsätzlich war das in Ordnung für mich. Problematisch war daran aber, dass manchmal der Schlauch von der Spirale abgesprungen ist und mir dann Leitungswasser in die Würze lief. Das kann aber auch an meinem spezifischen Modell gelegen haben. Jedenfalls habe ich den Eindruck, der Gegenstromkühler kühlt ein bisschen schneller und lässt sich über das gesamte Reinigungskonzept recht gut putzen. Bei der alten Spirale war das putzen zwischen allen Teilen der Spirale ein bisschen lästig aber machbar. Weiterer Vorteil: mit der Kühlung im Gegenstromkühler ist auch gleich das Hopfenseihen und umfüllen in das Gärgefäß gelöst. Zur effektiven Nutzung der Kühlung hat Grainfather auch ein paar Tips parat, die ich gleich in der entsprechenden Kategorie aufliste.

Ist dann endlich alles im Gärgefäß angekommen geht es los mit dem Putzen. Angenehm ist, dass der Grainfather ein CIP (Clean in Place) System ist. Das bedeutet, man muss das Gerät nicht groß auseinanderbauen, sondern bereitet die Reinigungslösung entsprechend der Anleitung vor und pumpt sie ein bisschen durch den Recirculation Arm und den Gegenstromkühler durch. Der Hersteller empfiehlt als Reinigungsmittel (in den Ländern in denen der Grainfather High Performance Cleaner nicht erhältlich ist, dazu zählt Deutschland) PBW. Wichtig ist dabei, dass man es nach Anwendung auch mit normalem Wasser wieder überall herausspült. Ich trage bei der Reinigung Handschuhe. Angenehmerweise ist das Mittel wirklich gut wirksam und auch der unten leicht angebackene Teil lässt sich gut entfernen, ohne dass viel Arbeit mit dem Schwamm nötig wäre.

Seit kurzem gibt es ja auch die neue Control Unit für den Grainfather. Meiner Meinung nach ist es sehr sinnvoll diese zu verwenden, weil sie entscheidende Vorteile bietet: Zum einen werden die eingestellten Temperaturen genauer erreicht und gehalten. Darüber hinaus muss man nun nicht mehr manuell jeden Temperaturwechsel eingeben, sondern kann dies bereits im Vorfeld einprogrammieren – der Grainfather durchläuft dann einfach das Programm. Dazu kommt dann noch die nette Funktion, dass man einspeichern kann, wann das Wasser auf Einmaischtemperatur sein soll. Das bedeutet, dass man beispielsweise am Vorabend Wasser und Malz vorbereiten kann um dann sofort nach dem Aufstehen einzumaischen und während des Maischens dann gemütlich frühstücken kann. Bis zum Läutern hat man dann ja Zeit. Noch ein Aspekt, der mir mit der neuen Control Unit sehr gut gefällt, ist die Möglichkeit der Steuerung des Grainfathers über Apple oder Android Handys. Mit der Android App gab es ein paar Probleme, sodass die Entwicklung einer komplett neuen App angekündigt wurde die in frühestens 3 Monaten abgeschlossen sein soll. Ich habe trotzdem mit der aktuellen „alten“ ein paar Sude gebraut und werde es bis zur Veröffentlichung der neuen tun. Die Probleme, die ich mit der „alten“ App erlebt habe sind folgende: Unzuverlässiges Importieren der BeerXML Dateien aus dem Brauhelfer (wobei dies mittlerweile mit einem Update behoben wurde), enormer Akkuverbrauch, kein spontanes Verändern des Brauprogramms möglich. Letzteres ist besonders ärgerlich, da ich einen Sud gebraut habe, bei dem ich spontan eine Rast verlängern wollte und daher in den manuellen Modus gewechselt habe. Dann wollte ich ab dem Moment des Abläuterns das Rezept wiederaufnehmen, aber die App ließ mich nur von vorn beginnen und erlaubt es nicht, einzelne Schritte zu überspringen. Der Rest des Brautags ließ sich trotzdem mit der App bearbeiten, indem ich ein „Quick Profile“ mit einer 1min Rast auf Abmaischtemperatur einspeicherte und dann die restlichen Informationen eintrug. Dies sind Probleme mit der Android App, die aktuell den Nutzungsspielraum der neuen Control Unit einschränken, aber ich bin zuversichtlich, dass die neue App diese Probleme beheben wird. Und wer keine Lust darauf hat, kann die Steuerung ja auch von Hand bedienen.
Update 31.05.2017: Die neue Android App ist nun verfügbar und verspricht ohne die oben genannten Probleme auszukommen. Ein Test meinerseits steht aber noch aus.

Probleme und Lösungen
Einige mögliche Probleme oder Schwierigkeiten im Umgang mit dem Grainfather habe ich im obigen Abschnitt schon angesprochen. Hier werde ich beschreiben, wie man damit umgehen kann.

Die maximale Sudgröße: Laut Grainfather beträgt die maximale Schüttungsmenge 9kg. Im Braumagazin Test wurde eindrucksvoll dargelegt, woran dies in der Praxis scheitert. Die größte Schüttung, die ich bislang erfolgreich verwendet habe betrug 8,2kg. Es sah allerdings so aus, als wäre es noch möglich den Malzkorb ein bisschen weiter zu füllen, bevor es oben aus den Malzkorbhalterungslöchern herausfließen würde. Der Unterschied zwischen den Beobachtungen im Braumagazin und meinen könnte in der mittlerweile modifizierten Formel zu Wasserberechnung des Grainfathers liegen. Zu beachten ist außerdem, dass, zumindest bei mir, die Sudhausausbeute sinkt, wenn eine stärkere Würze produziert werden soll.

Die Vorderwürze ist nicht für Messungen erreichbar: Diese Problematik löse ich bei meinen Brautagen nicht. Ich habe aber im Hobbybrauerforum mal eine Modifikation des Grainfathers gesehen, die dies ermöglicht (und Kenntnisse der Metallverarbeitung voraussetzt). Ich trage den Link nach, sobald ich ihn wiederfinde.

Die Sudhausausbeute ist zu niedrig: Für mich kein brennendes Problem, da meine ökonomische Existenz nicht davon abhängt und für mich in erster Linie ein Stück weit Verlässlichkeit zählt, damit ich die Rezepte gut kalkulieren kann. Dennoch gibt es hier ein paar Tips. Zu den Stellschrauben gehören der Schrotungsgrad des Malzes und sorgfältiges rühren beim Einmaischen, damit hier keine Klumpen entstehen und alles gut durchgespült werden kann (offizielle Anleitung hier). In den Grainfather FAQ werden noch weitere Aspekte genannt, die teilweise nicht spezifisch für den Grainfather sind: „Diastatische Eigenschaften der Schüttung, falsche Maischetemperatur, falsche Maischezeit, falscher PH-Wert, falsche Wassermengenberechnungen, Dickheit der Maische“.

Ich mache mir Sorgen um die Nachhaltigkeit: Dem kann man auf zwei Wegen helfen.
Zum einen gibt es eine passende Thermomanschette namens Graincoat, die man um den Grainfather herumschnallen kannen. Dadurch hält das Gerät die Temperaturen besser und die Zieltemperaturen werden schneller erreicht.
Der zweite Aspekt ist der Wasserverbrauch. Wenn man die ersten 15 Liter Kühlwasser z.B. im Nachgusserhitzer auffängt, sind diese bereits fast auf der erwünschten Reinigungstemperatur um danach mit PBW durch die Rohre zu zirkulieren. Außerdem reicht es nach offiziellen Angaben aus, weniger als 2L pro Minute durch den Kühler zu schicken.

Beim Kochen schäumt die Würze über: Wenn man nicht schnell genug unterrühren oder abschöpfen kann, kann es in der brenzligen Situation helfen, mit einer Blumenspritze mit Wasser auf den Schaum zu sprühen. Der verschwindet dann zwar nicht sofort, es verschafft einem aber genug Zeit weiter zu rühren und Würze außerhalb des Grainfathers zu verhindern.

Die Würze brennt an: Um diesem Risiko bei dicken Maischen vorzubeugen, empfiehlt die offizielle Seite gelegentlich sanft mit einem Maischepaddel während des Aufheitzens und Kochens über den mittleren Teil des Bodens zu schaben.

Das Kühlen dauert ewig: Diesem Problem können meiner Erfahrung nach zwei Dinge zugrunde liegen.
Erstens, die Würze wird durch den Kühler und wieder zurück zur heissen Würze gepumpt anstatt direkt in den Gäreimer zu fließen. Warum es sinniger und effizienter ist direkt in den Gäreimer zu kühlen/pumpen, erklärt einer der Grainfather Ingenieure hier.
Zweitens, der Grainfather wird seit einiger Zeit mit einer doppelten Pump-Sicherung ausgeliefert. Neben dem Handschalter um das Durchlaufrohr der Pumpe zu öffnen, gibt es noch eine Metallkugel und Feder die erst dann den Durchlauf ermöglichen, wenn auch tatsächlich oben ein weiteres Teil (also z.B. Kühler oder Rezirkulationsarm) angeschraubt ist. Klingt theoretisch gut, in der Praxis verfangen sich darin aber schnell geronnene Proteine und Hopfenteile. Dies führt zu einem stark reduziertem Durchfluss und entsprechend sehr langem Abpumpen. Zum Glück lassen sich aber Feder und Kugel einfach entfernen und das Problem ist gelößt.

Fazit
Insgesamt bin ich immernoch sehr zufrieden mit dem Grainfather. Es gibt zwar ein paar Probleme auf die man stoßen kann, für die allermeisten gibt es jedoch recht einfache Lösungen und teilweise fallen diese auch in die Kategorie „Jammern auf hohem Niveau“. Der Schritt vom Einkocher zum Grainfather war jedenfalls einer der besten, den ich in meiner Braukarriere gemacht habe. Stünde ich heute vor der Entscheidung mir ein Braugerät in der 20-30L Klasse kaufen zu wollen, ich würde mich erneut für den Grainfather entscheiden. 🙂

4 Gedanken zu „Ein Jahr Grainfather – Zwischenfazit“

  1. Liest sich fachmännisch. Ich habe bisher mit Extrakt rumgemurkst und würde gern wissen, ob das Gerät (das ja deutlich günstiger ist, als eine vergleichbares Teil von Speidel) auch was taugt.
    Ist das zu empfehlen ? Ist die Handhabung einfach und eine g’scheite Anleitung dabei ? Gibt’s für einen potentiellen Brauautomat-Anfänger weitere gute Tipps ?
    Danke für Info. Superbert

    1. Die mitgelieferte Anleitung bezieht sich hauptsächlich auf den Aufbau des Gerätes. Die Benutzung wird im offiziellen Youtube Channel ganz gut erklärt, da gibt es mittlerweile auch eine zweite Generation an Erklärungsvideos: https://www.youtube.com/watch?v=YeeGC2kJUVM
      Ansonsten für Brauanfänger von meiner Seite immer der Tip: Besuche das Hobbybrauerforum (hobbybrauer.de), da wurden sehr viele Fragen schon besprochen und falls nicht, kannst du sie dort stellen und viele enthusiastische Brauliebhaber helfen dir.

  2. Hab meinen heute das erste Mal benutzt, lohnt sich auf jeden Fall. Da alles dabei ist was man braucht und man beim Speidel deutlich mehr zahlt. Ich kam zwar nur auf eine Ausbeute vom 49,5% aber fürs erste mal ganz okay.
    Die Technik ist durchdacht und das Gerät durchaus hochwertig verarbeitet. Lässt sich auch sehr gut reinigen.

  3. Hatte Glück und konnte ein Vorführgerät beim Händler vor Ort zu einem günstigeren Preis erstehen. Ich war schon zwei Monate vor dem Kauf vom Grainfather begeistert; er hat m.E. das beste Preis-Leistung-Verhältnis von allen Heimbrauanlagen, die derzeit auf dem Markt sind.
    Jetzt hab ich ihn seit drei Wochen und hab dementsprechend auch drei Sude 🙂
    Ich bin überglücklich, endlich Bier zu brauen ohne diese klebrige Patzerei!
    Die einzige Sache, die ich am Grainfather zu bemängeln habe, sind die Dichtungsringe an den beiden Siebplatten. Jeder Nutzer des Grainfathers weiß, was ich meine…

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